Leitwort Dezember - Weihnachten

Kerze (c) Pixabay
Kerze
Mo 25. Nov 2019
Markus Bruns

Liebe Christinnen und Christen,

liebe Mitmenschen,

Weihnachten - dieses Fest strahlt immer noch eine große Faszination aus: Bei aller Geschäftigkeit und manch seichter Gefühlsduselei, bei allem vorweihnachtlichen Stress und der Geschäftemacherei spüren doch viele Menschen eine tiefe Sehnsucht nach Frieden und Glück.

Da ist eine Sehnsucht in uns, dass die Menschen in Liebe und Frieden zusammen leben können; da ist die Sehnsucht danach, dass da einer ist, der uns Geborgenheit schenkt, der ganz auf unserer Seite steht.

An Weihnachten erinnern und vergegenwärtigen wir uns, dass Gott sich ganz uns Menschen zugewandt hat, dass er - aus Liebe zu uns - Mensch geworden ist.

Und das, was sich „so leicht schreibt“, ist doch etwas wirklich Ungeheures: Gott wendet sich uns so entschieden zu, dass er Mensch wird, einer von uns. Der Gott, an den wir glauben, ist nicht unendlich weit weg, sondern er kommt uns ganz nah.

Er kommt in diese Welt, in der so viel Unfriede und Ungerechtigkeit ist. Er ist sich nicht zu schade, in das Gebrochene und Unvollendete, in das Begrenzte und Sündige hineinzugehen - um das alles, um diese Dunkelheit, mit seinem Licht zu erhellen und zu verwandeln.

Gott kommt aus seiner Unbegrenztheit in die Begrenzungen unseres menschlichen Lebens hinein. Er selbst wird Mensch und unterwirft sich, bei aller Göttlichkeit, menschlichen Begrenzungen. Er weint und leidet, er hat Angst und wird verraten, er ist einsam und unverstanden.

Und darin zeigt er sich abgrundtief solidarisch mit uns Menschen: Er kommt mitten hinein in unsere Dunkelheiten. Er wird Mensch, um uns so nahe zu sein, wie es nur ein Mensch sein kann.

Das Kind in der Krippe zeigt, wie Gott seinen Traum vom Menschen auf ganz andere Weise geträumt hat, als es die Menschen erwarten. Dort, wo wir am Ende sind, wo wir in eine Sackgasse geraten sind, wo wir uns unverstanden und abgelehnt und ausgestoßen fühlen, gerade dort will Gott in uns geboren werden.

Dort, wo wir nicht hinschauen wollen, dort, wo es in uns kalt und steinig ist, dort steht in uns die Krippe bereit, in die Gott seinen Sohn legen will - damit er auch in uns geboren wird, damit er auch für uns zum Messias wird, der uns befreit aus dem Land der Gefangenschaft, der uns befreit zu dem Menschen, den Gott sich von uns erträumt hat.

Ja, erschienen ist uns die Menschlichkeit Gottes: seine Menschen-freundlichkeit und Güte. Eine radikale und eine befreiende Botschaft zugleich. Eine Botschaft, in deren Mitte Liebe und Frieden stehen.

Eine Botschaft, die keinen Platz hat für Fundamentalismus und Fanatismus: Wer im Namen Gottes, im Namen der Religion oder im Namen der Kirche menschliches Leben einengt - sei es durch Gewalt und Unterdrückung, durch Indoktrination oder Einzwängen in ein enges Regelwerk an Gesetzen und Vorschriften - der hat, so glaube ich, Gottes Wesen noch nicht erfasst.

Der Mensch, den Gott sich erträumt hat, spiegelt in seinem Gesicht Güte und Liebe wider. Er strahlt Milde und Freundlichkeit aus. Er ist gut zu sich und zu den Menschen. Er glaubt an das Gute und lockt so den guten Kern in seinen Schwestern und Brüdern hervor. Denn Gott hat uns befreit von den Fesseln, die uns gefangen hielten. Er will uns, die wir oft so zerrissen sind, wieder heil machen.

Ja, Weihnachten, dieses Fest fasziniert. Und erst Recht der Kern dieses Festes: die Menschwerdung Gottes. Von einem einfachen Stall in Betlehem geht eine alles verwandelnde Kraft aus: die Macht der Liebe, die auch uns verwandeln will und verwandeln kann.

Diese Faszination, dieses Hören- und Staunen-Können wünsche ich uns, besonders in diesen adventlichen und weihnachtlichen Tagen. Denn Gott ist Mensch geworden - einer mit uns und für uns.

Ihr

Propst Markus Bruns