Der Artikel in der Heinsberger Zeitung vom 27.Juli zur zukünftigen Struktur des Pastoralen Raumes hat viele Fragen aufgeworfen...
ZUM ARTIKEL DER HEINSBERGER ZEITUNG ZUR STRUKTURFRAGE IM PASTORALEN RAUM HEINSBERG-OBERBRUCH-WALDFEUCHT Heinsberg, den 18.08.2026 Liebe Christinnen und Christen, liebe Gemeindemitglieder! Der am 27. Juli erschienene Artikel in der Heinsberger Zeitung über die zukünftige Struktur des Pastoralen Raumes Heinsberg - Oberbruch-Waldfeucht zeichnet aus unserer Sicht in wesentlichen Punkten ein verzerrtes Bild. Einige Aussagen und Unterstellungen können wir deshalb nicht unwidersprochen stehen lassen. Kritik und unterschiedliche Positionen gehören zu einem solchen Veränderungsprozess. Sie sollten jedoch auf Tatsachen beruhen und mit Respekt gegenüber den Menschen geführt werden, die Verantwortung für diesen Prozess übernommen haben. Der Rat des Pastoralen Raumes, in dem die bisherigen Gemeinden durch gewählte Mitglieder vertreten sind, hat sich nach Beratung mehrheitlich für eine Struktur mit drei Gemeinden – Heinsberg, Oberbruch und Waldfeucht – ausgesprochen. Auch die Rückmeldungen aus den Pfarrteams vor Ort wurden in den Beratungsprozess einbezogen, als auch das Votum der residierenden Pfarrer und ihre Begründung für diese. Nicht Propst Markus Bruns entscheidet allein über die zukünftige Gemeindestruktur. Die endgültige Entscheidung triUt letztlich der Bischof von Aachen, Dr. Helmut Dieser. Die Darstellung, hier werde einerseits „von oben“ eine Struktur durch Propst Bruns durchgesetzt und andererseits demokratische Mitwirkung abgebaut, greift daher zu kurz. Gerade der Rat des Pastoralen Raumes ist das gewählte Gremium, in dem Verantwortung nicht nur für den eigenen Ort, sondern gemeinsam für den gesamten Pastoralen Raum übernommen wird. Demokratie bedeutet dabei nicht, dass jede einzelne bisherige Pfarrei ein Vetorecht gegenüber einer gemeinsamen Entscheidung besitzt. Sie bedeutet, dass unterschiedliche Interessen vertreten, Argumente ausgetauscht und schließlich Entscheidungen mehrheitlich getroUen werden. Ebenso unzutreUend ist die Befürchtung, Ehrenamtliche sollten künftig gegen ihren Willen außerhalb ihres eigenen Ortes eingesetzt werden. Eine solche Forderung hat es von Seiten des Pastoralteams oder des Leitungsteams nicht gegeben. Im Gegenteil: Wir wissen sehr genau, dass kirchliches Leben von Menschen getragen wird, die sich mit ihrem Ort, ihrer Kirche und ihrer Gemeinschaft verbunden fühlen. Dieses Engagement wollen wir erhalten und stärken. Die neue Struktur soll deshalb nicht das örtliche Gemeindeleben beseitigen. Gottesdienste, Wortgottesfeiern, Katechese, soziale Aktivitäten, Vereine und viele andere Formen kirchlichen Lebens entstehen weiterhin dort, wo Menschen sie gestalten. Schon heute wäre es weder möglich noch sinnvoll, all dies zentral zu organisieren. Gerade angesichts sinkender Zahlen von Priestern und pastoralen Mitarbeitenden werden Eigeninitiative und ehrenamtliches Engagement vor Ort zukünftig noch wichtiger sein. Deshalb irritiert uns besonders die Aussage: „Tote Pfarreien können fusionieren, aber bei einer lebendigen und funktionierenden Gemeinde gibt es keinen Grund für eine Fusion.“ Sie erweckt den Eindruck, lebendiges Gemeindeleben existiere vor allem in Karken, Kempen und Kirchhoven, während andere Gemeinden ohne Weiteres zusammengelegt werden könnten. Das wird den vielen engagierten Menschen in den übrigen Orten unseres Pastoralen Raumes nicht gerecht. Auch dort gibt es lebendige Gemeinden, Ehrenamtliche, Traditionen und eine starke Verbundenheit mit dem eigenen Ort. Vor allem aber werden hier zwei Dinge miteinander vermischt: örtliches Gemeindeleben und institutionelle Struktur sind nicht dasselbe. Eine größere Kirchengemeinde bedeutet nicht, dass die bisherigen Orte ihre Identität verlieren oder dort kein kirchliches Leben mehr stattfinden kann. Die Strukturreform beantwortet vielmehr die Frage, wie Leitung, Verwaltung und gemeinsame Verantwortung angesichts tiefgreifender Veränderungen in unserer Kirche künftig organisiert werden können. Dabei kann der Blick nicht ausschließlich beim eigenen Ort enden. Der Pastorale Raum ist auch eine Solidargemeinschaft. Es wird Orte geben, an denen bestimmte Aufgaben besonders gut getragen werden können, und andere, die stärker auf Unterstützung angewiesen sind. Gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, bedeutet deshalb auch, über die Grenzen der eigenen bisherigen Pfarrei hinauszudenken. Genau darum geht es bei der Neuordnung. Die Entscheidung für eine Dreierstruktur ist dabei nicht willkürlich entstanden. In den vergangenen Jahren wurden unterschiedliche Modelle – darunter auch Lösungen mit vier oder fünf Gemeinden – diskutiert. Dass verschiedene Möglichkeiten geprüft wurden, ist jedoch keine Zusage für eine bestimmte spätere Struktur. Zu keinem Zeitpunkt hat Propst Bruns persönlich zugesagt, dass aus Karken, Kempen und Kirchhoven eine eigenständige neue Kirchengemeinde entstehen werde. Aus der Tatsache, dass eine Vierer- oder Fünferlösung einmal Gegenstand der Diskussion war, kann daher kein „Wortbruch“ abgeleitet werden. Bei der Abwägung spielen unter anderem sozialräumliche Zusammenhänge, bestehende Kooperationen, die langfristige Tragfähigkeit der Strukturen und die unterschiedlichen Bedingungen der einzelnen Orte eine Rolle. Was wir jedoch entschieden zurückweisen, ist die Behauptung, hinter der geplanten Struktur stehe der Wunsch nach einem „oligarchischen System“ mit „linientreuen Ehrenamtlern“. Eine solche Unterstellung wird weder dem demokratischen Entscheidungsprozess noch den zahlreichen ehrenamtlichen Engagierten und hauptamtlichen Mitgliedern des Rates, des Leitungsteams und des Pastoralteams gerecht. Menschen, die sich dort engagieren und Verantwortung übernehmen, als „linientreu“ zu diskreditieren, überschreitet aus unserer Sicht die Grenze einer sachlichen Auseinandersetzung. Auch der Eindruck, die Strukturentscheidung sei ein persönliches Projekt von Propst Bruns, ist falsch. Weder er noch die anderen Mitglieder des Leitungs- und Pastoralteams verfolgen damit persönliche Interessen. Wir versuchen gemeinsam mit den gewählten Gremien, unter schwieriger werdenden Rahmenbedingungen eine Struktur zu entwickeln, die kirchliches Leben in unserem Pastoralen Raum langfristig ermöglicht. Wir wissen, dass Veränderungen Unsicherheit auslösen. Menschen sorgen sich um ihre Kirche, ihre Traditionen und das Gemeindeleben, das ihnen seit vielen Jahren oder Jahrzehnten Heimat gibt. Diese Sorgen nehmen wir ernst. Auch Kritik an Entscheidungen muss möglich sein. Was wir uns aber wünschen, ist eine Auseinandersetzung, die zwischen Sorge und Tatsachenbehauptung, zwischen Kritik und persönlicher Unterstellung unterscheidet. Wer für demokratische Beteiligung eintritt, sollte auch demokratisch zustande gekommene Entscheidungen respektieren – selbst, wenn er selbst für eine andere Lösung gestimmt hat. Und wer die Bedeutung des Ehrenamts hervorhebt, sollte auch diejenigen Ehrenamtlichen respektieren, die in den gemeinsamen Gremien Verantwortung für den gesamten Pastoralen Raum übernehmen. Unsere Kirche befindet sich in einem fundamentalen Wandel. Ein Einfaches „Weiter so“ wird angesichts sinkender Mitgliederzahlen und personeller Ressourcen nicht möglich sein. Umso wichtiger ist es, diesen Wandel gemeinsam zu gestalten: mit starken Gemeinden vor Ort, mit möglichst viel Eigenverantwortung, aber auch mit Solidarität und gemeinsamer Verantwortung über den eigenen Kirchturm hinaus. Dazu sind wir weiterhin bereit – und zu einem oUenen, sachlichen Gespräch jederzeit ebenfalls! Allen ein herzlicher Gruß und viel Segen, Das Pastoralteam und der Vorstand des Rates des Pastoralen Raumes Heinsberg-Oberbruch-Waldfeucht
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